Charityblog von Konny von Schmettau

Das Namibia-Tagebuch von Konny von Schmettau

Konnys Tagebuch

abgelegt unter Tagebuch von Konny @ Donnerstag, 19. Oktober 2006 - 08.14 h

Wie alles begann

Menschen zu helfen, die sich aus eigener Kraft nicht aus ihrer schwierigen Lebenssituation heraus helfen können – das ist oft eine Floskel. Tausendfach gebraucht, tausendfach angeführt – rund um den Erdball. Politiker, Wissenschaftler, Weltverbesserer, Idealisten, Träumer und viele, viele Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen und nicht nachgeben, stehen auf einer endlos langen Liste derjenigen, die darüber reden, Gutes zu tun oder tun zu wollen.

Das einzige aber, das in meinen Augen wirklich hilft, ist, vor Ort zu sein, mit den Menschen, die betroffen sind, zu reden, sich Zeit für sie zu nehmen. Ihre Probleme zu seinen eigenen zu machen, so weit dies möglich ist.

Viele Jahre habe ich in Uganda gelebt und war in diesem ursprünglichen, bewegten, von 20 Jahre Bürgerkrieg gebeutelten Land unterwegs. Meist mit Rucksack und Kamera. Aber nicht, um Sensationen für die Weltpresse zu finden, sondern mit den Menschen Ugandas ihr Uganda zu sehen. Obwohl ich ihnen als Europäerin und mit weißer Hautfarbe oft fremd vorkam – in manchen Dörfern hatten die Kinder noch nie in ihrem Leben einen weißen Menschen gesehen – bin ich immer und an jedem Ort einer außergewöhnlichen Gastfreundschaft begegnet. Das Wenige, das sie hatten, haben die Ugander mit mir geteilt, und wenn ich nachts mit einem der wenigen öffentlichen Busse, die überhaupt das Land durchfuhren, in einem einsamen Bergdorf strandete, da der Bus erst morgens weiterfuhr, wurde ich stets herzlich eingeladen. Habe meinen Schlafsack in die gastfreundliche Lehmhütte gelegt und mit der Familie zusammen den Schutz der Rundhütte genossen, geschützt vor Leoparden und anderen Tieren des damals noch „wilden“ Afrika.

Lange nach meinen Jahren in Uganda – zwischendurch als Journalistin und Unternehmerin in Deutschland – hat mich das Heimweh nach Afrika nicht losgelassen und eine Reportage oder ein Urlaub in unterschiedlichen Ländern des Schwarzen Kontinents reichten nicht aus, mich in Europa wieder zu Hause zu fühlen. Zwar betreute ich sieben Jahre lang die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Dritte Welt Journalisten Netz und verlor das Thema Afrika und Entwicklungshilfe nie aus den Augen. Aber die Arbeit von Deutschland aus konnte mir meine Heimat Afrika nie ersetzen.

Ist Heimat nicht der Ort, an dem man geboren und vielleicht auch aufgewachsen ist? Ich bin mir da nicht mehr so sicher, wie ich es früher war. Inzwischen ist mir vielmehr klar geworden, was Herrmann Hesse gemeint hat, als er sagte: „Wo zwei verwandte Seelen sich treffen, sieht jeder Ort wie Heimat aus.“ Es müssen nicht immer zwei Seelen sein; manchmal reicht auch eine aus, die sich ihre Heimat selbst sucht – und einen Menschen immer wieder dahin zurück bringt, wo er sich zu Hause fühlt.


Nach vielen Reisen, langen Jahren als Unternehmerin in Deutschland und dreizehn Jahre lang alleinerziehende Mutter, habe ich mich mit meinem Sohn zusammen Weihnachten 2004 für ein erneutes Leben in Afrika entschieden. Unser Ziel: Namibia. Zugegeben: Mein Sohn wäre lieber nach Uganda gegangen, ins ursprünglichere, in seinen Augen „wildere“ Afrika. Aber als Mutter stand natürlich die Verantwortung ganz oben auf meiner Liste, also: Namibia = gute medizinische Versorgung, hervorragende Schulen, eines der sichersten Länder Afrikas, in dem mein Sohn in Freiheit und ohne Kriege groß werden kann.

Es dauerte mehrere Monate, bis ich eine Arbeitsgenehmigung erhielt, aber wir hatten in Deutschland alles aufgelöst, was unser Leben bis dahin ausgemacht und bestimmt hatte und es kam für uns überhaupt nicht in Frage, aufzugeben. Also haben wir uns durchgebissen – und inzwischen leben wir bescheiden, aber glücklich in diesem wunderschönen Land.

Morgens mit dem Gefühl aufzuwachen „Ich bin in Afrika!“ – ist wunderschön und ich möchte es niemals mehr missen.

Gleichzeitig aber bedeutet dieses Leben – so wie früher in Uganda – sehr viel Verantwortung für die Menschen in diesem Land, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden.

Für Tausende von ihnen bedeutet ein neuer Tag viele Fragen: „Werde ich heute in der Lage sein, meine Kinder zu ernähren? Werde ich einen Job finden und genügend Geld haben, um sie zur Schule zu schicken? Wird mein krankes Kind gesund – werde ich einen Arztbesuch für mein Kind finanzieren können?“

Als Europäer in Afrika zu leben, bedeutet für mich, Verantwortung zu übernehmen und mit wachen Augen nicht nur die herrliche Landschaft zu genießen, sondern auch genau hinzusehen, wo Not herrscht – und wie ich helfen kann.

Aus diesem Grund habe ich gleich zu Beginn meines Aufenthaltes in Namibia die ehrenamtliche Tätigkeit als Frauenbeauftragte und Namibia-Repräsentantin für die österreichische Entwicklungshilfe-Organisation Child-Care-Afrika (CCA) angenommen. Eigentlich konnten weder die Organisation noch ich uns das leisten, denn CCA wurde erst vor zwei Jahren von zwei engagierten Menschen gegründet und will helfen, wo es wichtig ist, ohne über nennenswerte Budgets zu verfügen. Aber gemeinsam bauen wir Hilfe auf, die ankommt.

Auf der einen Seite liegt der Schwerpunkt von Child-Care-Afrika in Wasserprojekten und Brunnenbau. Wasser ist Leben, so lautet das Motto, und wo kein sauberes Wasser vorhanden ist, gibt es keine gesunden Kinder und keine Zukunft – um es ganz kurz zu umreißen.

Für mich ging das Ganze einen Schritt weiter, als wir mit Frau Karin Lühl in der Deutschen Botschaft in Windhoek zusammen saßen und sie uns von der Not vieler Mütter in Namibia berichtete:

Jede dritte Schwangere in Namibia ist HIV-positiv. Namibia hat eine der höchsten AIDS-Raten der Welt. Wenn eine HIV-positive Mutter ihr Kind stillen möchte, befindet sie sich in einem schrecklichen Zweispalt: Stillt sie ihr Kind, so besteht die Gefahr, dass ihr Baby das HIV-Virus durch die Muttermilch erhält. Stillt sie nicht, muss ihr Baby verhungern. Eine schreckliche Situation, in der weder die Deutsche Botschaft noch die meisten anderen öffentlichen Behörden eingreifen können, denn, so Karin Lühl: „Was uns fehlt, ist ein Soforthilfe-Topf, um schnell und unbürokratisch zu helfen!“

Gesagt, getan: Der CCA-Marketingleiter Gregor Hubmann war bei diesem Gespräch mit Frau Lühl in der Deutschen Botschaft Namibia dabei und gab mir sofort freies Licht: „Konny, wenn du eine Soforthilfe für Mütter und Kinder mit HIV/ AIDS organisierst, gibt Child-Care-Afrika dir jede Unterstützung!“

So, und hier ist sie!

Vor gut einem halben Jahr fanden die entscheidenden Gespräche statt und inzwischen hat sich einiges getan. Mit offenen Augen und Ohren habe ich mir viele Projekte angesehen und bin immer wieder in den Slums unterwegs. Rede mit den Menschen, die in Not sind. Und erlebe immer wieder, dass diejenigen, die am lautesten schreien, nicht immer unbedingt diejenigen sind, die am dringendsten Hilfe benötigen.

Die Not ist oft sehr leise. Wie im Fall der kleinen Nadja, die drei Jahre alt ist und HIV-positiv. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt an AIDS gestorben. Ihr Vater hatte die Mutter mit dem Virus infiziert und war einfach verschwunden.

Nadja lebt bei ihrer Großmutter in den Armenvierteln von Okahandja, nur rund 80 Kilometer von Namibias Hauptstadt Windhoek entfernt.

Aber während es in den Elendsvierteln der Hauptstadt, dem viel benannten Katutura, eine ganze Reihe von Hilfsprojekten, Kindergärten und Schulen gibt, die europäische Unterstützung erhalten, ist Okahandja nicht in den Augen der Menschen, die helfen wollen.

In Okahandja gibt es zwei wunderbare Märkte für Holzschnitzarbeiten aus Namibia und den Nachbarländern. Aber das Elend hinter dem schönen Handwerk sehen die Touristen nicht: Straßenkinder, Hunderte von Familien in größter Not und immer wieder: AIDS-Waisen. Kinder ohne Zukunft, wenn wir ihnen nicht helfen. Sie brauchen Nahrung, ärztliche Versorgung, Medikamente, Schulbildung und vor allem: Den Schutz einer Familie. Und zwar einer Familie, die sie aufnehmen und versorgen kann. Mit unserer Hilfe können es viele schaffen – denn die Tatsache, dass eine Kind das HIV-Virus in sich trägt, bedeutet noch lange nicht, dass es keine Überlebenschance hat. Mit einer gesunden Ernährung und guten Medikamenten haben Kinder wie Nadja eine wirkliche Chance.

In diesem Blog, den das Unternehmer-Forum Successity – allen voran Kirsten Mennenga – zur Verfügung stellt und mir bei der Einstellung der Inhalte hilft, möchte ich allen Interessierten einen Einblick in meine Arbeit zur aktiven Entwicklungshilfe geben. Und sie gleichermaßen bitten, uns zu unterstützen, wenn es Ihnen möglich ist.

Kisten Mennenga hat auch die ersten Spendengelder für unsere Soforthilfe gesammelt, mit der wir bereits einer ganzen Reihe von Müttern mit AIDS helfen konnten. Wir danken ganz herzlich dafür!

Wir garantieren, dass jeder gespendete Euro ohne Abzug direkt in unsere Soforthilfe einfließt und den Menschen in Not unmittelbar zukommt. Ich gehe stets selbst zu den betroffenen Müttern und bringe oder finanziere ihnen, was sie benötigen: Babynahrung, Decken, Kleidung, Arztbesuche, Medikamente (in Absprache mit Ärzten) und vieles andere.

In diesen Tagen habe ich gemeinsam mit meinen freien Mitarbeiterinnen Silvia Mubita und Maria Candido und den von uns betreuten Müttern mit AIDS in Okahandja eine neue Projekt-Idee entwickelt: Wir werden namibische Firmen anfragen, ob sie uns kostenlos Stoffe, Stoff- und Wollreste zur Verfügung stellen, aus denen die Frauen im gemeinsam gegründeten „Okahandja Women Selfhelp-Project“ Handtaschen, Kissen und Spielsachen nähen, die wir dann gemeinsam verkaufen. Aus dem Erlös können Lebensmittel, Schulgebühren und Medikamente finanziert werden.

Die Frauen im Okahandja Selbsthilfe-Projekt wollen selbst etwas bewegen, um ihren Kindern eine Zukunft zu geben. Ich freue mich riesig darüber, dass sie sich so sehr engagieren und die Chance nutzen, die sie haben: gemeinsam etwas aufzubauen!

Zum Guten Schluss für heute noch eine Liste, was das Okahandja Selbsthilfe-Projekt derzeit am dringendsten benötigt, bis die Hilfe zur Selbsthilfe angelaufen ist:

Verbandmaterial, Babynahrung, Babyfläschchen, Medikamente, warme Zudecken für kleine und größere Kinder und Mütter, Baby-, Kinder- und Frauenkleidung, Sandalen und feste Schuhe, Lebensmittel, Schulgelder, Kindergarten- und Schulmaterialien, Spielsachen, Malstifte, Blöcke…

Wenn Sie helfen möchten und kein Geld, sondern lieber Kleidung oder anderes spenden möchten, können Sie uns gerne eine Päckchen oder Paket nach Namibia senden. Am sichersten kommen DHL-Pakete (Deutsche Post) in Namibia an.

Bitte achten Sie beim Versand per Post unbedingt darauf, dass gebrauchte Kleidung und Materialien als solche wie folgt gekennzeichnet werden, da wir sonst beim Verzollen große Probleme bekommen:

Im Adressabschnitt sollte stehen:

Child-Care-Afrika

Konny von Schmettau

Phone: 081-2272656

P.O. Box 20792

Windhoek

Namibia

Verwendungszweck:

Donations, second hand items for Child-Care-Afrika

Ankreuzen:

„Geschenk“

In diesem Blog beschreibe ich, was wir bewegen und wie wir in Namibia aktiv helfen. Gerne bin ich jederzeit offen für Anregungen und Ansprechpartnerin, wenn Sie Fragen haben. Sie erreichen mich am besten über e-mail (namibia@child-care-afrika.org) oder Mobiltelefon: 00264-81-2272656.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre

Konny Schmidt von Schmettau

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